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Transkription des Besucherbuchs der Kurfürstlichen-Königlichen Bibliothek Dresden (SLUB Bestand).Qualitative Forschung anhand von Martin Jenisch d. Ä.

von Dimitrij Schäfer

Im Rahmen des Seminars für Datenkompetenzen widmet sich dieser Beitrag dem digitalisierten Gästebuch der Kurfürstlichen Bibliothek (SLUB Dresden). Die Untersuchung der Seiten 190 bis 195 erfolgt anhand einer partiell quantitativen Analyse sowie der qualitativen Vertiefung eines spezifischen Eintrags auf Seite 195.

Bildnachweis: https://digital.slub-dresden.de/werkansicht?tx_dlf%5Bid%5D=12236&tx_dlf%5Bpage%5D=1 Abgerufen am: 12.08.2026
Quelle

Das Gästebuch dokumentiert die Besucherfluktuation in der Bibliothek im japanischen Palais und gilt als hochwertiger Scan als „digitalisiert“. Durch die Kurrentschrift, diverse Schriftarten und das Alter des Materials wird die aktive Nutzung als Recherchequelle jedoch zunehmend erschwert. Die Erschließung durch die maschinelle Transkription und die korrekte Eintragung bei Wikidata soll dem in Zukunft vorbeugen. Dies ermöglicht nicht nur einen schonenden Recherchezugang zu der Quelle, sondern unterstützt zusätzlich durch die Verlinkung im Semantic Web quantitative Forschungsansätze und macht Personen wieder auffindbar, wie am Beispiel auf Seite 195 gezeigt wird.

Methodik: Maschinelle Transkription und Linked Open Data

Methodisch wurde für den Transkriptionsprozess die Software MKNetwork Transcription Desk mit Fokus auf die deutsche Kurrentschrift genutzt. Die Fehlerquote war nach eigener Einschätzung gering und wurde durch nachträgliche händische Korrektur meist ausgeschlossen. Dennoch ist eine vollständig korrekte Transkription nur mit dem Korrekturlesen zweiter und dritter Personen möglich, wie dies auch von Wikisource für die vollständige Validierung erforderlich ist.

Nach der Transkription der fünf Seiten wurde das Google LLM Gemini nach möglichen Treffern im Wikidata-Personenregister abgefragt. Die Ergebnisse wurden händisch gegengeprüft, da das LLM halluziniert und teils nicht korrekte Q-Nummern ausgibt. Insgesamt konnten 25 Personen ausfindig gemacht und durch ihre Wikidata-Einträge bezüglich Namensbezeichnung und Daten gegengeprüft werden. Durch die Verlinkung mit dem aqid-Tag gelang die Kennzeichnung der Personen und das Aufleuchten der Rahmendaten beim Drüberfahren mit dem Mauszeiger (Beispiel: 7 Octbr- {{aqid|Q11731592|Joseph Weyssenhoff}}).

 Quantitative Auswertung der Seiten 190–195

Nach der oben genannten Transkriptionsmethodik erschlossen sich 25 Personen aus dem Spektrum des europäischen Adels, Theologen, Studenten, Kaufleute und nicht weiter definierbare Besuchergruppen. Die Personen wurden, soweit dies möglich war, über ihre Q-Nummer definiert. Außer durch geschweifte Klammern oder gleiche Nachnamen sind vorerst keine direkten Personenbeziehungen auslesbar gemacht worden. Durch die Kennzeichnung der Personen in der einfachsten Form, wie hier aufgeführt, wurde die erste Aufbereitung für kommende Forschungen getätigt und der Zugang zu diesen erleichtert. Die vollständig aufgeführte Liste mit allen Personennamen und den dazugehörigen Q-Nummern befindet sich im Anhang.

Qualitative Fallstudie: Der Dresdner Aufenthalt Jenischs (1792)

Auf Seite 195 befindet sich mittig der Eintrag „Jenisch Banquier de Hambourg“. Gemeint ist der Hamburger Kaufmann Martin Jenisch der Ältere. Dies lässt sich aufgrund eines Altersabgleichs gesichert sagen, da er im Spätherbst 1792 32 Jahre alt war und sein Sohn, Martin Jenisch der Jüngere, erst 1793 geboren wurde. Vertieft wird hierbei der Grund für den Aufenthalt von Martin Jenisch in Dresden behandelt. Dabei wurde versucht, durch Dokumente aus dem Jenisch Haus eine wissenschaftliche Gegenprobe zu schaffen und zu rekonstruieren, wie Jenisch 1792 tätig war und welche Umstände ihn dazu bewegten, sich in das Besucherbuch der Kurfürstlichen Bibliothek einzutragen.Bildnachweis: https://digital.slub-dresden.de/werkansicht?tx_dlf%5Bid%5D=12236&tx_dlf%5Bpage%5D=208 Abgerufen am: 12.08.2026

Der händische Eintrag Jenisch

 

Bildnachweis: https://www.shmh.de/spolien-portal-vom-spinnhaus-an-der-alster/ Abgerufen am: 12.08.2026
Quelle

Martin Jenisch d. Ä. war bis 1792 Provisor des Spinnhauses in der Hamburger Altstadt. Daraus lässt sich die Hypothese ableiten, dass er kurz vor seinem Karriereaufstieg in die Hamburger Commerzdeputation eine Reise nach Sachsen unternahm. Diese diente vermutlich dem Studium der dortigen Reformen in der Erziehung sowie im Zucht- und Armenwesen, um diese Erkenntnisse für seine Arbeit in den Hamburger Anstalten zu nutzen. Für die Verfestigung dieser wissenschaftlichen Behauptung wäre jedoch das Einsehen in weitere Archive notwendig. Im Hauptstaatsarchiv Dresden betrifft dies insbesondere den Bestand 10024 (Geheimes Archiv), da hier hochrangige politische Korrespondenzen und Berichte liegen. Im Staatsarchiv Hamburg müssten dafür die Dienstreise- und Gesandtschaftsakten der Senatsakten geprüft werden. Ergänzend dazu empfiehlt sich eine Recherche über das Online-Recherchetool des Sächsischen Staatsarchivs (ScaLa) mit der gezielten Suche nach Schlagworten wie „Zuchthaus Dresden“.

Bildnachweis: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Martin_Johann_Jenisch_der_Ältere.jpg Abgerufen am: 12.08.2026
Quelle

Nach der vertieften Methodik ist das übergeordnete Forschungsziel die Schließung der Dokumentationslücke im Semantic Web, konkret in der Wikidata-Datenbank, im Wikipedia-Eintrag über Martin Jenisch d. Ä. sowie die Kennzeichnung dieser Reise in der GND-Datenbank. Dieses Dokument dient  als Darlegung der Forschungsergebnisse für das Jenisch Haus (SHMH) wie auch der Publikation auf der Blogseite.

 

Weblinks
Slub Besucherbuch: https://digital.slub-dresden.de/werkansicht?tx_dlf%5Bid%5D=12236&tx_dlf%5Bpage%5D=200
Das Besucherbuch aber bei Wikisource: https://de.wikisource.org/wiki/Index:Besucherbuch_Kurfürstlich-Königlichen_Bibliothek_Dresden_1753-1813.djvu
Erklärung der OCR von Kai Würzner: https://wrznr.github.io/dh-dkm-gen-ocr/#28
Richtlinien von Wikisource bei der Transkription: https://de.wikisource.org/wiki/Wikisource:Editionsrichtlinien
Transkriptionsseite: https://aistudio.google.com/apps/cbc19efb-1059-4569-9bad-005eaa7fbd5e?showPreview=true&showAssistant=true&fullscreenApplet=true

Anhang
Folgende Personen konnten mit einer Q-Nummer identifiziert und mit Wikidata verknüpft werden:
Seite 190
Jean-Siffrein Maury (archevêque de Nicée, nonce apostolique)   Q561729
Alphonse Conte de Castiglioni (de milan)   Q41568702
Baron von Zesterfleth (Oberappellationsrath aus dem hannöverschen)   Q20608610
Lenthe (Hannöverscher Gesandter in Berlin)   Q1359325
Milord Bruce (Lord Bruce)   Q7611139
Seite 191
v Schuckman (Oberlands Regierungs Rath aus Breslau)   Q1464002
v Appony (Käys. Königl. Kämmerer Graf)   Q9156851
Milord Boringdon   Q6251894
Le Général Zabielo (Szymon Zabiełło)   Q3917484
Reuss (Professor der Philosophie zu Würzburg)   Q55126190
Seite 192
Kamsetzer (Architect des Königl von Pohlen)   Q1431915
Svarez (Geh. Tribunals Rath aus Berlin)   Q322618
Potocki (Jan Potocki)   Q367109
L’ Abbé Piattoli (Scipione Piattoli)   Q7434034
Julien Niemcewicz (Julian Ursyn Niemcewicz)   Q458241
Eberhard (aus Halle)   Q942414
Graf v. Maltzan (Königl. Preußsche Legationsrath)   Q55354134
Seite 193
Sömmering (Samuel Thomas von Soemmerring)   Q132197
Lord Hinchingbrook (George Montagu, 6th Earl of Sandwich)   Q5542572
Mr Elliot (Hugh Elliot)   Q4992189
Tischbein (aus Cassell)   Q1694511
Seite 194
Keine verifizierten Personen-Q-IDs zugeordnet (verbleibt als reiner Text).
Seite 195
Joseph Weyssenhoff   Q11731592
Miaskowski / Joseph Miaskowski   Q8863418
Jenisch (Martin Johann Jenisch der Ältere)   Q116104 (Hinweis: Ergänzt durch Ortsdaten-ID Q1055 für Hambourg)
Comte de Bristol Evèque de Derry (Frederick Hervey)   Q1452908

Dmitrij Schäfer
Dmitrij Schäfer
Dimitrij Schäfer, Masterstudent der Digital Humanities.

OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Dmitrij Schäfer (12. August 2026). Transkription des Besucherbuchs der Kurfürstlichen-Königlichen Bibliothek Dresden (SLUB Bestand).Qualitative Forschung anhand von Martin Jenisch d. Ä. Digital Humanities. Abgerufen am 13. Oktober 2026 von https://dhgsw.hypotheses.org/1618


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